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Was ist ein Altwald?
Antwort: Ein Altwald ist ein Wald mit einem markanten Anteil an alten Bäumen, häufig mit einem großen Bestandteil an Totholz. Der Wald ist relativ unberührt und hat eine direkte und entscheidende Bedeutung für die gefährdete und seltene Flora und Fauna des Waldes. Es kann sich beispielsweise um einen Laubwald in Götaland oder um einen alten kieferndominierten Wald in Norrland handeln.

Der unberührte Wald ist ein kompliziertes, dynamisches biologisches System, ein Ort gekennzeichnet durch großen Artenreichtum und unregelmäßig und wiederholt auftretende Schadensereignisse, wie Waldbrand, Windwurf, Insektenbefall, u.s.w. Viele Arten sind störungsbegünstigt. Beispielsweise ist eine Fichtenverjüngung begünstigt durch Sturmlücken, Birke und Kiefer durch Brand. Jede Art hat seinen charakteristischen Lebenszyklus. Es kann 1000 Jahre für z.B. eine Kiefer dauern um den kompletten Lebenszyklus zu durchlaufen, vom Samen zum alten Baum, der stirbt und abbricht. Aber mit einer modernen forstwirtschaftlichen Maschine dauert es nur Sekunden bis der Lebenszyklus vorzeitig beendet wird.

- Gibt es denn nicht genug Wald in Schweden?
- Wurden nicht genügend Altwälder vor Abholzung geschützt?

Antwort: Es scheint so, als ob es viel Wald in Schweden gibt. Aber: über 90% des kompletten Waldes ist mehr oder weniger stark von der Forstwirtschaft beeinflusst und hat ein niedriges Alter. Fast 2000 in Wald und Bäumen lebende Arten sind in Schweden gefährdet oder potentiell gefährdet. Ein Großteil dieser ist abhängig von der Dynamik alter Naturwälder. Nur rund 5% der Wälder (über ganz Schweden verteilt) unterhalb der fjällnahen Wälder bestehen laut Berechnungen der Natur- und Umweltschutzbehörde aus altem Naturwald. Wohl gemerkt sind hier ältere Wälder mit Naturschutzwert oder mit Potential hohen Naturschutzwert zu entwickeln, nicht einberechnet! Und die Inventuren der Behörden sind nicht flächendeckend. Naturschützer entdecken immer wieder neue Wälder mit hohem Naturschutzwert, denen der Schutz fehlt und die von Abholzung bedroht sind. Eine größere Bestandsaufnahme ist nötig.

- Ist es nicht die Aufgabe von Behörden und der Forstwirtschaft sich darum zu kümmern, dass der Wert der Wälder bewahrt wird?
Antwort: Dies ist nach dem Waldpflegegesetz und den Umweltzertifizierern wie beispielsweise FSC so, aber… Die Lage im Wald ist äußert kritisch. Der Staat stellt dem Naturschutz nicht genügend Ressourcen zur Verfügung und ein Großteil der Forstwirtschaft folgt den Gesetzen nicht oder erfüllt seine Verpflichtungen nach FSC nicht. Unsere Arbeit die kritische Lage im Wald zu beleuchten und Druck auf Politiker und Forstwirtschaft auszuüben wird benötigt!

Einige Waldbegriffe und Definitionen die den Altwald betreffen:

Altwald – älterer Naturwald (siehe: naturwaldartiger Wald, Naturwald, Urwald und urwaldartiger Wald)

Naturwaldartiger Wald (siehe auch Naturwald) - Alte Kulturwälder (Wälder die stark von Bewirtschaftung geformt sind), die während langer Zeit nicht bewirtschaftet wurden und dadurch die charakteristische Dynamik eines Naturwalds erhalten konnten. Der Begriff ist am besten anwendbar in Mittel- und Südschweden, dort wo die meisten Wälder historisch stark von Bewirtschaftung beeinflusst wurden und möglicherweise wiederholt im 17. bis 19. Jahrhundert abgeholzt wurden. Anschließend konnten sie jedoch den Charakter von unbeeinflussten Wäldern erhalten, wie Lücken und Lichtungen, Mehrschichtigkeit, gemischter Altersaufbau, Anteil älterer Bäume, spät gewachsene unterdrückte Bäume, Totholz u.s.w.

Naturwald 1 - Wald der durch natürliche Verjüngung hervor gegangen ist und mehr oder weniger stark von verschiedenen Arten der selektiven Einzelbaumentnahme beeinflusst wurde. Er braucht nicht den Charakter eines alten Urwalds zu haben, hat jedoch viele charakteristische Merkmale von vom Menschen nicht beeinflussten Wäldern, wie Lücken und Lichtungen, Mehrschichtigkeit, gemischter Altersaufbau, Anteil älterer Bäume, spät gewachsene unterdrückte Bäume, Totholz u.s.w. Es kann sich auch um einen Altersklassenwald handeln, der nach einem Brand gewachsen ist und in welchem die älteste Generation an Bäumen entnommen wurde, oder um einen Altwald, dem stark selektiv Holz entnommen wurde, ein so genannter Restwald. 

Naturwald 2 - Wald der spontan, durch natürliche Verjüngung auf ursprünglichem Waldboden hervor gegangen und vom Menschen so lange unbeeinflusst geblieben ist, dass er in großem Maße die Eigenschaften (Baumstruktur, Artenzusammensetzung, u.s.w.) gewinnen konnte, die einen vergleichbaren Urwald kennzeichnen.

Urwald - Wald, der nie von systematischer Waldbewirtschaftung beeinflusst wurde. Von vereinzelten Bäume die gefällt wurden oder anderen Kulturspuren kann abgesehen werden, wenn diese nicht die natürliche Struktur des Waldes beeinflusst haben. Dies gilt auch für jüngere unbeeinflusste Sukzessionswälder nach natürlichen Schadensereignissen. Es existiert keine einheitliche Definition von Urwald, sondern viele ähnliche Definitionen, welche oft nur späte Sukzessionsstadien unter dem Begriff verstehen (~Klimaxwald).

Urwaldartiger Wald - In der Regel bezieht der Begriff sich auf einen alten, „urwaldähnlichen” Naturwald, der viele Elemente besitzt, die typisch für ältere Urwälder sind, wie liegendes Totholz, tote Bäume und richtig alte Bäume. Er bezieht sich weiterhin auf  unbeeinflussten oder fast unbeeinflussten Wald, der nach einer natürlichen Störung, meist Waldbrand hervor gegangen ist. Eine mögliche Bewirtschaftung fand in so geringem Umfang statt, dass die natürlichen Strukturen nicht nennenswert beeinflusst worden sind, sondern diese durchgängig vergleichbar mit denen eines gänzlich unbeeinflussten Waldes sind.